Montag, 1. November 2010

Flohmarktbeute 1/4 "Savinelli 2003 collection" - Gebrauchte Pfeifen kaufen und aufarbeiten.



Wie schon in meinem Fetzenmarktartikel geschrieben, stelle ich meine Funde diesmal in eigenen Berichten vor. Den Anfang macht mein erstes Schnäppchen. Eine Savinelli Jahrespfeife aus dem Jahr 2003.





Ich erkläre, welche Pfeifen ich auf Flohmärkten mitnehme und zeige auch gleich, wie ich solche Pfeifen wieder aufarbeite und rauchbar mache.

Gebrauchte Pfeifen werden „Estates“ genannt.
Ich habe keine Ahnung warum, aber es klingt ja auch viel appetitlicher.
So wie gebrauchte Kleidung auch „Vintage“ und nicht getragen ist, aber egal.




Beim „Estatekauf“ gilt es ein paar Dinge zu beachten:

  1. Wie riecht die Pfeife?
    Eine Pfeife, die unangenehm, oder sauer riecht, wird beim späteren Rauchen keine Freude machen.
  2. Wie sieht die Brennkammer aus?
    Wenn der ganze Raum mit einer dicken Kohleschicht zugewuchert ist, heißt das, dass der ehemalige Besitzer, seine Pfeife wenig gepflegt hat. Eine ungepflegte Pfeife wieder aufzuarbeiten macht, wenn überhaupt möglich, viel Arbeit und das Ergebnis ist oft nicht befriedigend.
    Falls man (meistens im Bereich, wo die Holmbohrung in den Tabakraum kommt) Einbrenner oder ausgebrochen Löcher sehen kann, sollte man die Pfeife auch sofort wieder zurück legen.
  3. Passt der Zapfen des Mundstückes noch gut in den Holm?
    Falls das Mundstück festsitzt oder gar nicht im Holm hält, kann man das zwar meistens beheben, trotzdem keine Kaufempfehlung.
    VORSICHT!!! Bei vielen älteren Meerschaumpfeifen gibt es keinen glatten Zapfen, sondern ein Gewinde, sodass man das Mundstück durch Drehen gegen den Uhrzeigersinn abbekommt.
  4. Wie sieht die Pfeife äußerlich aus?
    Sprünge, dunkle Verfärbungen am Kopf (die auf bevorstehende Durchbrenner hinweisen), tiefe Biss-Spuren am Mundstück, abgeschlagene Kanten, usw. sind auch noch Ausschlusskriterien.



Da die Savinelli keine Mängel aufwies und der Preis auch noch gut war, landete sie also bei mir.

Zum Aufarbeiten benutze ich:
  • Isopropanol 70%
  • Eine Packung Pfeifenreiniger
  • Küchenpapier
  • Einen Pfeifenräumer (ich habe den Pipe-net, im Notfall kann man aber auch einfach Schleifpapier benutzen)
  • Nivea-Creme (falls nicht vorhanden Spucke)
  • Eine Zange
  • feines Schleifpapier
  • zwei Polierscheiben 
  • Polierblock (zB. Unipol blau)
  • Carnaubawax
  • eine eingespannte Bohrmaschiene





Das Aufarbeiten:


CAKE ENTFERNEN:

Als erstes entferne ich immer die Kohleschicht im Kopf.
Um keine Geschmacksbeeinträchtigung (beim späteren Rauchen) zu haben, sollte die ganze Schicht entfernt werden. Es ist aber nicht nötig so tief zu arbeiten, bis das Holz wieder hell ist.
Sobald man merkt, dass man beim Holz angekommen ist, reicht das auch schon.
Falls man keinen Räumer hat, kann auch grobes Schleifpapier genommen werden. Dabei ist es aber wichtig, darauf zu achten nicht den Kopfrand zu beschädigen, oder Ungleichmäßigkeiten in den Brennraum zu schleifen.

INNENREINIGUNG:


Danach mit den in Isopropanol getränkten Pfeifenreinigern den Kopf und den Rauchkanal im Holm und Mundstück gut durch putzen, bis die Reiniger nicht mehr schmutzig werden.
Ein guter Trick ist es das gebrauchte Ende des Reinigers mit einer Zange abzuzwicken. So kann man den Selben für mehrere Durchgänge benutzten und spart einige ein.




SALZ/ALKOHOL- METHODE:

Als nächstes werden der Pfeifenkopf und der Holm mit Salz vollgefüllt. Anschließend tropft man das Isopropanol auf das Salz, bis dieses nicht mehr Alkohol aufnehmen kann.
Vorsicht, dass man keinen Alkohol auf den Kopfrand oder andere sichtbare Teile der Pfeife bringt, denn er kann die Beize lösen und das gibt dann unschöne Flecken.
Die ganze Prozedur ist um die Pfeife zu neutralisieren.
Der Alkohol und das Salz ziehen das Kondensat und damit den Geschmack des Tabaks, der vorher in der Pfeife geraucht wurde aus der Wandung.
Falls die Pfeife eine gerade Form hat, so wie ein Billard zum Beispiel, muss man Kopf und Holm nacheinander machen.




Nach ca. 2 Stunden hat der Alkohol seine Wirkung getan und man kann den Inhalt wieder entfernen und die Pfeife mit Küchentüchern gut auswischen.
Falls die Pfeife immer noch stark riecht kann man den ganzen Vorgang noch einmal wiederholen.
Mehr als Zweimal braucht man das ganze eigentlich nicht machen, da die Wirkung nach dem zweiten Mal stark nachlässt.



BISS-SPUREN ENTFERNEN:
 
Während der Salz/Alkohol- Behandlung des Pfeifenkopfes kann man sich mit dem Mundstück befassen.
In meinem Fall waren einige Biss-spuren vorhanden. Mit einem feinen Schleifpapier konnte ich die meisten wegschleifen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu tief schleift.
Um das Mundstück danach wieder auf Hochglanz zu bringen, benutze ich immer die Polierscheibe und „Unipol Blau“. Geht einfach am besten.
 






  



Damit ich den Sattel vorne nicht unabsichtlich wegpoliere, (das geht schneller als man denkt) klebe ich diesen Teil mit Klebeband ab.













KOPFRAND REINIGEN:
Im vorletzten Schritt wendete ich mich dem Kopfrand zu.
Dort bilden sich durch den Rauch immer Ablagerungen, die nicht nur hässlich, sondern auch hartnäckig sind.
Meine Mittel dagegen sind „Nivea“ und Spucke. Ja Spucke!
In ihr sind Enzyme, die den Schmutz sehr gut lösen.
Immer wieder den Kopfrand mit einem der Mittel einreiben, kurz einwirken lassen und wegwischen. Nach ein paar Durchgängen ist selbst der gröbste Schmutz verschwunden und die Pfeife ist bereit für die Abschlussbehandlung.





POLIEREN:
Als Letztes muss die ganze Pfeife wieder auf Hochglanz gebracht werden. Das Ganze geht binnen 1-2 Minuten an der Polierscheibe mit Carnaubawax.
Immer wenn der Holm oder der hintere Teil der Mundstückes bearbeitet werden muss die Pfeife zusammengesteckt sein, sonst kann es passiere, das der Übergang nicht mehr passt.






Der Esstisch sieht wie ein Schlachtfeld aus, aber es hat sich gelohnt! Ich habe jetzt eine Pfeife, die so gut wie neu ist und auf mein Einrauchen wartet.
Und der Preis?
Ich habe 10 Euro für sie gezahlt.!
Neu kostet sie ca. 190 Euro und gebraucht sollte sie auch noch mindestens 60 Euro in solch einem guten Zustand bringen.



 Macht doch wieder einiges her oder?
Bei Anmerkungen oder Fragen, hinterlasst mir doch ein Kommentar!
  



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Thanks for posting, I like this blog!

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